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Neues Transplantationsgesetz tritt auf , Spender treten ab….

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Heute tritt das kurz verhandelte und von einem Allparteien-Bündnis im Bundestag nahezu ohne jede kritische Gegenstimmen verabschiedete Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Die Reform sollte die Zahl der Organentnahmen in die Höhe treiben. Das Transplantationsgesetz schreibt jetzt ausdrücklich vor, dass Ziel des Gesetzes die Erhöhung der Organtransplantationszahlen ist.

Tatsächlich brechen die Zahlen der Organe, die entnommen werden können ein: auf unter 60 im Oktober, eine Zahl die halb so hoch ist, wie im Vergleich zu den Vormonaten – eine Entwicklung, die auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation nur schwer schön reden kann: Dass von der DSO angesichts der offenbar in größerem Maßstab vorgenommenen Manipulationen in großen und renommierten Transplantationszentren (Details dazu beispielsweise in dem Artikel von Erika Feyerabend und Martina Keller auf faz.net ) von „Unregelmäßigkeiten“ in „einzelnen Transplantationszentren“ die Rede ist, ist wohl Schönsprech. Dazu passt es, dass bei insgesamt zwei Milliarden Euro Kürzungen im Etat des Gesundheitsministeriums de der Etat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung um sechs Millionen Euro aufgestockt werden soll, damit die Zentrale, wie Minister Bahr verkündet, „im Bereich der Organspende besser aufklären kann“. Damit meint er aber wohl nicht die Aufklärung der Fehlentwicklungen, Machenschaften und Betrügereien, die es in einigen Zentren der Transplantationsmedizin offenbar gibt, und vermutlich auch nicht die unabhängige Aufklärung über das problematische Zusammenspiel von Patientenverfügungen und Organspendeerklärungen, sondern die Werbung für „Organspenden.“ „Wir sagen: Jetzt erst recht“, zitiert das Deutsche Ärzteblatt den Gesundheitsminister.

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2 Kommentare

  1. Also heißt das, wir schafen die Transplantationsmedizin einfach ab? Für mich als lebertransplantierten Menschen beunruhigend…

  2. @Stefan Sandor: Die Transplantationsmedizin abzuschaffen wird nicht gehen und ist auch nicht wünschenswert. Aber Diskussion und Praxis müssen sich ändern: moralischer und politischer Druck erzeugt keine guten Spender(zahlen) und die Struktur dieser High-Tech-Branche befördert kommerzialisiertes Denken. Also bedarf sie effizienterer Kontrolle. Wie eine Transplantationsmedizin aussehen könnte, die allen gerecht wird, denen, die sich organe entnehmen lassen, denen, die es nicht wollen, den Angehörigen, denen auf den Wartelisten und ihren Angehörigen, das wäre ein großes Thema für eine gesellschaftliche Debatte….

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