Biopolitikblog

Pränatest – 100 Tage und das erste 1000 ist voll

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Eine hübsche, wenngleich aus meiner Sicht wenig erfreuliche Erfolgsmedlung vom Hersteller des „PränaTest“, der Firma LifeCodexx:

„Rund 1000 Frauen haben sich seit Markteinführung bereits für den Pränatest entschieden.“

So ändern sich die Zeiten: früher waren die schwangeren Frauen ein wenig runder, heute sind es die Kennzahlen der Testhersteller; früher entschied man sich für eine Schwangerschaft und ein Kind, heute für die Qualitätskontrolle… Die Zahl von „rund 1000“ schwangeren Testerinnen bezieht sich auf das gesasmte Verbreitungsgebiet des Tests, mit dessen Hilfe nach einer Trisomie 21 gefahndet wird. Der Test wird in derzeit 150 PRaxen und Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz angewandt. Lifekodexx zufolge soll in 1,5 Prozent der Untersuchungen (das wären immerhin 15 Fälle) eine Trisomie 21 festgestellt worden sein, in 1,5 Prozent der Fälle ergab sich gar kein Ergebnis. Bei den Schwangeren, bei denen ein positives Ergebnis ermittelt wurde, wurde im Anschluss eine invasive Fruchtwasseruntersuchung zur weiteren Abklärung durchgeführt, die nach Herstellerangaben das Ergebnis des Pränatest bestätigt haben soll.

Bemerkenswert ist, wie sich die PR-Strategie von Lifecodexx zu diesem Thema seit der Markteinführung verändert: Wurde vor der Zulassung des Tests als Medizinprodukt durch das Regierungspräsidium Freiburg i.Br. eher zurückhaltend agiert und neben den Vorzügen einer nicht-invasiven Testmethode hervorgehoben, dass der Test keineswegs ein Massenprodukt sein, sondern nur in ausgesuchten Fällen bei Risikopatientinnen von qualifizierten Ärzten eingesetzt werden soll, ist der Akzent jetzt auf quantitative Erfolge und die baldige Ausweitung der Indikationen (Trisomie 13, Trisomie 18) gesetzt. Duie vergleichsweise hohe Zahl der NutzerInnen nach nur wenigen Monaten ist bemerkenswert, weil der Test deutlich über 1000 EUR kostet, die nicht von der Gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt werden.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Praxis für Pränatalmedizin Darmstadt – Prof. Scharf » Blog Archive » PraenaTest – Über den gesellschaftlichen Umgang und seine Fortentwicklung

  2. Ein qualitätsgeprüftes Kind wird zunehmend zum Distinktionsmerkmal der besitzenden Bevölkerungsschichten – zu dem also, was in früheren Jahren vielleicht ein teures Auto in der Garage war. Wer sich einen derart makellosen Nachwuchs (noch) nicht leisten kann, wird alles daran setzen, irgendwann in den Kreis dieser „verantwortungsvollen“ Eltern aufgenommen zu werden. Mit zunehmender Nachfrage werden auch die Kosten solcher Testmethoden sinken, so daß einer flächendeckenden privatisierten Eugenik nichts mehr im Wege steht.

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